

Die Präsidenten Chavez und Kirchner Reiterstatue des Simon Bolivar in Caracas

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In Venezuela lebten in vorkolumbianischer Zeit indianische Gruppen, nomadisierende Jäger und Sammler sowie Fischer und Bauern.
Bis zur europäischen "Entdeckung" von Venezuela wurde das Land von den Ureinwohnern bewohnt, die Landwirtschaft betrieben und jagten. Sie siedelten hauptsächlich um den Fluss Orinoco.
Christoph Kolumbus erreicht auf seiner 3. Reise 1498 die östliche Küste Venezuelas und ging an der Mündung des Flusses Orinoco an Land. Es war das erste Mal, dass er und seine Mannschaft das amerikanische Festland betraten.
Am 24. August 1499 folgte eine Expedition von Alonso de Ojeda und Amerigo Vespucci, die dem Land wegen der häufigen Verwendung von Pfahlbauten angeblich den Namen Venezuela (Klein-Venedig) gaben. Diese Theorie stammt aus Vespuccis Reisebericht Cuatro Navegaciones ("4 Schifffahrten") und ist auch allgemein bekannt, jedoch historisch nicht belegt. Martin Fernandez de Ensico, der ebenfalls an der Expedition teilnahm, schrieb in seinem Buch Summ de Geografia von 1518 eine andere Theorie: "An einer Landzunge des Coquibacos-Golfes* befindet sich ein sandbankähnlicher, großer Felsen, auf dem ein Zaparas-Dorf** namens Veneciuela steht."
(*) indianische Bezeichnung für die Maracaibo-See
(**) Zaparas ist ein
dort ansässiger Indianerstamm
Die erste feste Siedlung der Spanier mit dem Namen Nueva Cadiz wurde 1522 gegründet, die heutige Hauptstadt Caracas wurde 1567 geschaffen. 1577 setzte die spanische Krone zur Verwaltung einen Gouverneur ein.
Unterdessen hatte 1528 der in Geldnöten befindliche Kaiser Karl V. dem Augsburger Handelshaus der Welser gegen Bargeld das Recht auf Kolonisation in Südamerika zugebilligt. Im selben Jahr noch schickte Bartholomäus Welser eine Expedition nach Venezuela, die die Reichtümer des Landes erkunden sollte. Fast 20 Jahre lang wurden im Landesinneren entlang der Küste Naturschätze abgebaut und gewinnbringend nach Europa verfrachtet. Dann kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem spanischen Hof und den Welsern. 1546 übernahmen die Spanier die Verwaltung vor Ort. Mit der Abdankung von Karl V. im Jahr 1556 verloren die Welser endgültig die vom Kaiser persönlich gewährten Rechte und ihr Handelsgebiet in Spanisch-Amerika.
Jedoch wurde die Kolonie im 16. und 17. Jahrhundert von den Spaniern eher vernachlässigt, da sie sich mehr auf das Gold aus anderen Teilen Amerikas konzentrierten. Der Anbau von Kakao, Zucker, Tabak, Kaffee und Baumwolle führte dazu, dass eine große Anzahl an Sklaven nach Venezuela gebracht wurden, die, nachdem die einheimische Kultur zu einem Großteil zerstört war, die Kultur in Venezuela nachhaltig beeinflussten. Im 17. und 18. Jahrhundert begann die Christianisierung indianischer Stämme durch Missionare der römischen Kirche.
Das Land war politisch zunächst Bestandteil des 1535 gebildeten Vizekönigreichs Neuspanien (Nueva España) mit seiner Hauptstadt Mexiko. 1777 entstand das Generalkapitanat Venezuela.
Erste erfolglose Versuche, die spanische Herrschaft abzuschütteln, gab es 1797 und 1806. Erst mit der Revolution in Caracas im Jahr 1810 unter Mitwirkung Simón Bolívars klappte eine einstweilige Loslösung vom Mutterland. Der Kongress erklärte am 5. Juli 1811 die Unabhängigkeit des Landes und verhängte das Kriegsrecht. Francisco de Miranda wurde Oberbefehlshaber mit weitreichenden Vollmachten. In den Jahren von 1814-1819 gelang es den Spaniern, wieder ihre Staatsräson durchzusetzen. Nach wechselvollen Kämpfen akzeptierte Spanien 1821 endgültig die neue Lage. Ein von Bolívar geführtes Heer hatte die Kolonialmacht in der Schlacht von Carabobo besiegt und damit Ecuador, Kolumbien und Venezuela vom spanischen Joch befreit.
Venezuela wurde ein Teil der von Bolivar schon 1819 neu geschaffenen Republik Groß-Kolumbien. Wenige Tage nach seinem Tod 1830 fiel Venezuela aus dieser Verbindung ab und erklärte sich für selbstständig.
Der Einheitsstaat wurde 1864 zu einer Bundesrepublik umgestaltet. Zahlreiche Bürgerkriege und Revolutionen bremsten die kontinuierliche Entwicklung des Landes. 1891-1896 kam es zu Grenzstreitigkeiten mit dem Nachbarn Kolumbien, die jedoch friedlich beigelegt wurden.
Cipriano Castro (1899-1908)
Im Jahr 1899 erlangte der aus dem Bundesstaat Táchira stammende Cipriano Castro durch eine Invasion ("Invasion der Sechzig") von Kolumbien aus und einen Putsch gegen Ignacio Andrade die Macht. Seine Regierungszeit gilt vor allem als Beginn des Endes des sog. "Caudillismo", in dem sich seit der Unabhängigkeit im Jahr 1821 lokale und regionale Herrscher ("Caudillos") die Macht aufgeteilt hatten. Unter Castro wurde das Nationale Heer (Ejercito Nacional) ins Leben gerufen und gegen die Einzelinteressen der Caudillos benutzt. Gleichzeitig wurden Waffen außerhalb der Armee konfisziert, die regionalen Armeen aufgelöst und das Heer modernisiert. Die Strukturen, die Cipriano Castro in den Jahren seiner Regierungszeit aufbaute gelten als der Beginn des Gomecismo, dem System des Diktators Juan Vicente Gómez. Dieser, Freund Castros und Divisionsgeneral in seiner Regierung, übernahm die Macht im Jahr 1908, als sich Castro wegen gesundheitlicher Probleme zur Behandlung außer Landes befand, durch einen Putsch.
Von 1908 bis 1935 bestimmte der so zur Macht gekommene Diktator Juan Vicente Gómez 27 Jahre lang die Geschicke des Landes. Die Diktatur wird als personalisiert und militärisch bezeichnet, da sie sich einerseits auf die Armee stützte und andererseits in allen Belangen auf die Person des Diktators zugeschnitten war, der mit eisener Hand das Land regierte. Auch wenn gewisse representative Strukturen weiter bestehen blieben und während seiner Amtszeit sogar zwei andere Männer (Victorino Márquez Bustillos: 1914-1915, Juan Bautista Pérez: 1929-1931) das Präsidentenamt ausübten, lief alles über die Person Gómez, der zu keiner Zeit die Fäden aus der Hand gab. Dies zeigt sich unter anderem in der Tatsache, dass Großteil der Führungseilite der Diktatur aus den Andenstaaten, besonders aus Táchira kamen: In einem engen Netz aus sozialen Beziehungen sorgte Gómez dafür, dass seine Interessen durchgesetz wurden. So waren zwei Bedingungen für höhere Ämter im Staat fast immer die Zugehörigkeit zum Militär und die Herkunft aus den Anden. Die Gómez-Diktatur zeichnete sich durch massive Repression gegen die Opposition und die Korruption der Führungselite aus. Ihr Ende fand sie erst im Jahr 1935 als Gómez im Alter von 78 Jahren starb.
Nach Gómez' Tod wurde das politische System des Landes schrittweise liberalisiert, war aber noch über Jahre hin von den Strukturen und Persönlichkeiten des Gomecismo durchsetzt. Die provisorische Nachfolge des Präsidenten übernahm im Jahr 1935 der Militär und Tachirense Eleazar López Contreras, der dann am 19. April 1936 vom Kongress zum Präsidenten gewählt wurde. In der Interimszeit kam es zu zahlreichen Protesten der Opposition, die nun gestärkt die Realisierung demokratischer Rechte einforderte, die zum Teil von der Regierung López' gewährt wurden. So wurden politische Gefangene aus den Gefängnissen entlassen, den Exilierten die Rückkehr erlaubt, die Amtszeit des Präsidenten von sieben auf fünf Jahre verkürzt und Gewerkschaften und öffentliche Versammlungen erlaubt.
Dieser Trend wurde von der folgenden Regierung unter dem 1941 gewählten Isaías Medina Angarita (ebenfalls Militär und Tachirense) fortgesesetzt. So wurde im Juni 1941 die sozialdemokratische Partei Acción Democrática (AD) und im Oktober 1945 die Kommunistische Partei legalisiert und im April eine Verfassungsreform durchgesetzt. Diese etablierte die direkte Wahl der Parlamentsabgeordneten durch alle Männer über 21 und die Beteiligung von Frauen an den Wahlen der Gemeinderäte und strich den Absatz 6 des Artikel 32 der alten Verfassung, der "kommunistische und anarchistische Propaganda" unter Verbot gestellt hatte. Jedoch wurde die von der Opposition geforderte universelle, freie und direkte Wahl des Präsidenten nicht verwirklicht und auch das Frauenwahlrecht nur eingeschränkt eingeführt. Die Unzufriedenheit über diese Mängel bei den politischen Parteien und, aus anderen Gründen, bei Teilen des Militärs, führte am 18. Oktober 1945 zu einem Putsch gegen die Regierung Medina Angaritas.
Mit dem Putsch wurde der Revolutionäre Regierungsrat (Junta Revolucionaria de Gobierno) eingerichtet, die unter dem Vorsitz von Rómulo Betancourt (AD) aus fünf zivilen und zwei militärischen Vertretern bestand (Zivile: Rómulo Betancourt (AD), Raúl Leoni (AD), Gonzalo Barrios (AD), Luis Beltrán Prieto Figueroa (AD), Edmundo Fernández, Militärs: Carlos Delgado Chalbaud y Mario Ricardo Vargas). Die neue de-facto-Regierung setzte relativ schnell die vorher versprochenen Reformen zur Demokratisierung und Bekämpfung der Korruption um, richtete am 27. November 1946 eine Prüfungskomission ziviler und administrativer Verantwortung (Jurado de Responsabilidad Civil y Administrativa) ein und berief für Dezember 1946 Wahlen zu einer verfassunggebenden Versammlung. Am 14. Dezember 1947 wurde zum ersten Mal in der Geschichte Venezuelas der Präsident von allen Männern und Frauen über 18 gewählt - Analphabeten oder nicht. Für die Wahl hatte der Revolutionäre Regierungsrat vereinbart, dass keines ihrer Mitglieder kandidieren würde. So gewann Rómulo Gallegos (AD) mit knapp 75% der Stimmen die Wahlen vor den Kandidaten Rafael Caldera (COPEI, 22,4%) und Gustavo Machado (PCV, 3,2%) und wurde Anfang 1948 zum neuen Präsidenten vereidigt. Seine Regierungszeit endete jedoch bald. Am 24. November 1948 putschten die Militärs des Revolutionären Regierungsrat erneut, diesmal gegen die vorher von ihnen unterstützte Regierung.
Ab November 1948 regierte eine Militärregierung das Land, zuerst unter dem Vorsitz von Carlos Delgado Chalbaud, nach dessen Ermordung 1950 von Germán Suárez Flamerich. 1952 wurden Präsidentschaftswahlen angesetzt, aus denen Jóvito Villalba (URD) als Gewinner hervorging, dessen Sieg die Militärregierung jedoch nicht anerkannte und stattdessen Marcos Pérez Jiménez zum Präsidenten ernannte. Dieser regierte das Land diktaorisch bis er am 23. Januar 1958 gestürzt wurde.
1958 wurde der Diktator Marcos Perez Jiménez gemeinsam von der sozialdemokratischen Acción Democrática und der Kommunistischen Partei gestürzt. Nach dem Sturz brach die AD jedoch mit den Kommunisten und verbündete sich mit der christdemokratischen COPEI. Beide Parteien vereinbarten das Punto-Fijo-Abkommen eine Aufteilung der Herrschaft über Venezuela, bis in die neunziger Jahre waren so die herrschenden Parteien entweder die Acción Democrática oder die COPEI, sie stellten auch die Präsidenten. Die enttäuschte und isolierte Kommunistische Partei begann einen Guerillakrieg, im Laufe der 60erAcción Democrática die Macht in Gestalt von Rómulo Betancourt, Präsident von 1958 bis 1964 und in seiner Nachfolge von 1964 bis 1969, sein Parteifreund Raúl Leoni. In den Wahlen von 1968 kam es zum ersten demokratisch legitimierten Wechsel der Macht, Präsident wurde der christdemokratische Rafael Caldera. Jahre wurde diese aber entweder von der Allianz assimiliert oder militärisch zerschlagen. Nur vordergründig führte der Sturz von Jiménez also zu einer Demokratie in Venezuela. Bei den ersten freien Wahlen erhielt die
1973 schließt sich Venezuela der Andengemeinschaft an, die seit 1969 die wirtschaftliche Entwicklung der Region steuern soll. Im selben Jahr gewinnt der Sozialist Carlos Andrés Pérez die Wahl zum Staatspräsidenten. Venezuela gründet mit anderen erdölfördernden Staaten die OPEC. Der Ölpreis vervierfacht sich in der Folgezeit. An der venezolanischen Regierung wechseln sich Demokratische Aktion und die Christsozialen ab. Die drängenden sozialen Probleme des Landes dümpeln ungelöst vor sich hin. Soziale Unruhen entstehen, die Hunderte von Toten fordern.
Nach der Ölkrise von 1973, stiegen in der ersten Amtszeit von Carlos Andrés Pérez (1974 bis 1979) die Einkünfte des Landes aus dem Erdölexport so rapide, dass das Land eines der wohlhabendsten Länder Südamerikas wurde, " [...] durch den Verkauf von Erdöl hat Venezuela von 1973 bis 1983 rund 240 Milliarden Dollar eingenommen" (Arturo Uslar Pietri); die damit einhergehende Verteilungspolitik führte zu einer für lateinamerikanische Verhältnisse außerordentlich hohen politischen Stabilität des Landes. 1976 wird die Ölindustrie auf Druck der Bevölkerung verstaatlicht. Mit dem eklatanten Verfall des Ölpreises seit 1983 brechen die Einkünfte jedoch weg und da es keine Investitionen in andere Wirtschaftszweige gegeben hatte, die die drastisch sinkenden Erdöleinnahmen zu kompensieren vermochten, führte dies, gemeinsam mit den immer höher werdenden Auslandsschulden (1993 etwa 35 Milliarden Dollar), zu einer anhaltenden Wirtschaftskrise.
Der in der zweiten Amtszeit Carlos Andrés Pérez' (1989 - 1993) als Folge von Weisungen des Internationalen Währungsfonds begonnene neoliberale27. Februar 1989, ausgelöst durch eine Preiserhöhung im öffentlichen Verkehr, zum sogenannten Caracazo. Von den Barrios, den Slums der Hauptstadt, ausgehend, kommt es über mehrere Tage zu schweren Aufständen und Plünderungen der wohlhabenderen Viertel. Die Regierung Pérez lässt die Aufstände gewaltsam niederschlagen, zwischen 400 und 5000 Menschen kommen dabei ums Leben. Nach zwei Putschversuchen im Jahre 1992, einem am 4. Februar durch Hugo Chávez (Chávez scheitert und wird festgenommen, nach 2 Jahren Haft aber freigelassen) und einem am 27. November, sowie 1993 einem Jahr mit volkswirtschaftlichem Minuswachstum und der schlussendlichen Absetzung des Präsidenten durch den Obersten Gerichtshof wegen Veruntreuung und Korruption, wurde Rafael Caldera 1994 Präsident. Bis 1998 gelang ihm zwar die politische Stabilisierung, der Wirtschaftskrise wurde aber auch er nicht Herr (So lag bei seinem Amtsantritt 1994 die Inflationsrate bei 71%, es gab eine schwere Währungskrise und einen Zusammenbruch des Banksystems.). Wirtschaftskurs führte ab dem
Im Dezember 1998 wird Hugo Chávez zum Präsidenten gewählt, nach der Änderung der Verfassung 1999 wird er im Amt bestätigt. Im April 2000 verlangen Demonstranten vorgezogene Neuwahlen. Bei den Protesten kommen mehrere Dutzend Menschen ums Leben.
Im April 2002 übersteht Chávez einen Putschversuch der Opposition, flankiert durch eine Kampagne der privaten Medien. Nach Protesten der Chávez-Gegner im Dezember 2002 beginnt am 3. Dezember 2002 der längste Generalstreik der venezolanischen Geschichte, der allerdings teilweise Züge einer Aussperrung trägt, da er unter anderem durch die Unternehmerverbände initiiert wurde. Auf internationalen Druck wird der Streik im Februar 2003 erfolglos beendet.
Am 3. Juni 2004 gab der Präsident des Nationalen Wahlrats, Francisco Carrasquero bekannt, dass von 3,4 Millionen von der Opposition für ein Referendum gegen Chávez gesammelten Stimmen 2,54 Millionen anerkannt würden und so das Referendum mit knapp 15.738 Stimmen Überschuss zugelassen würde. Diesem musste sich Chávez am 15. August 2004, vier Tage vor Beendigung des vierten Jahres seiner sechsjährigen Amtszeit, stellen. Um Chávez des Amtes zu entheben, benötigte die Opposition in einer Volksabstimmung allerdings mehr als die 3,7 Millionen Stimmen, die der Politiker bei seiner Wiederwahl für eine zweite Amtszeit 2000 erhielt.
Gemäß ersten Verlautbarungen der Wahlkommission vom 16. August 2004 hatte das Referendum, das eine extrem hohe Wahlbeteiligung in Höhe von etwa 95 Prozent aufwies (zweimal wurde die Schließung der Wahllokale am Wahltag verschoben), nicht zur Ablösung der Regierung geführt. Nach ersten Zahlen waren etwa 58 Prozent aller Wahlberechtigten gegen eine Amtsenthebung Hugo Chávez' und somit gegen Neuwahlen. Internationale Wahlbeobachter bescheinigten der Wahl entgegen im Vorhinein geäußerter Befürchtungen der Opposition über möglichen Wahlbetrug einen einwandfreien Verlauf, der amerikanische Ex-Präsident Jimmy Carter nannte sie "eine Übung in Sachen Demokratie". Als zentraler Faktor für Chávez' Erfolg gilt die wirtschaftliche Erholung des Landes. Insbesondere durch den Anstieg des Ölpreises ist die venezolanische Wirtschaft im ersten Quartal 2004 um 30 Prozent gewachsen, auch für das zweite Quartal wird ein Anstieg von zwölf bis 14 Prozent erwartet, dies stärkte Chávez Position. Ein weiterer Faktor war auch die äußerst schwache Mobilisierung der Opposition.
Unmittelbar nach der Bekanntgabe des Ergebnisses kam es in Caracas zu
teilweise gewaltsamen Demonstrationen von Anti-Chavisten, die das Ergebnis
inakzeptabel fanden. Dabei fielen mehrere Schüsse und eine Frau wurde tödlich
verletzt. Von welcher Seite die Schüsse fielen, ist bisher nicht geklärt.
***
12-Punkte-Deklaration der Regierungen von Kuba und von Venezuela
Gemeisame Erklärung Während des offiziellen Besuchs des Präsidenten Hugo Chávez
Frías in Kuba anlässlich des 10. Jahrestages seines ersten Treffens mit dem
kubanischen Volk, vollzog sich ein weitreichender und tiefgreifender Austausch
zwischen dem Präsidenten der Bolivarianischen Republik Venezuels und dem
Präsidenten des Staatsrates der Republik Kuba, begleitet von ihren jeweiligen
Delegationen. Beide Staatschefs vereinbarten, die folgenden Gesichtspunkte zu
unterzeichnen: Wir unterstreichen, dass die Freihandelszone für ganz Amerika
(ALCA) der vollendetste Ausdruck der Herrschaftsgelüstes über die Region ist,
und wenn der Vertrag in Kraft treten würde, bedeutete das eine Verschärfung des
Neoliberalismus und würde einen noch nie dagewesenen Abhängigkeits- und
Unterordnungsgrad schaffen. Wir haben den Integrationsprozess in Lateinamerika und der
Karibik geschichtlich analysiert und festgestellt, dass dieser, weit entfernt
davon, den Zielen der unabhängigen Entwicklung und der regionalen
Wirtschaftsergänzung zu entsprechen, als ein Mechanismus zur Vertiefung der
Abhängigkeit und der Fremdherrschaft gedient hat. Wir haben auch festgestellt, dass die in den letzten fünf
Jahrzehnten von de großen Transnationalen abgeführten Gewinne, die Erschöpfung
des Systems der Importsubstitution, die Krise der Auslandsverschuldung und,
kürzlicher, die Verbreitung der neoliberalen Politik mit einer größeren
Transnationalisierung der lateinamerikanischen und karibischen Wirtschaften und
der Vermehrung von Verhandlungen, um Freihandelsverträge mit dem Charakter des
ALCA abzuschließen, die Grundlagen schaffen, die das Panorama der Unterordnung
und des Rückschritts auszeichnet, den unsere Region heute leidet. Deshalb weisen wir mit Entschiedenheit den Inhalt und die
Anliegen des ALCA zurück. Wir teilen die Überzeugung, dass die gegenwärtige
sogenannte Integration auf neoliberaler Grundlage das beschriebene Panorama
festigen und zu nichts anderem führen würde, als zu einer noch größeren Trennung
der lateinamerikanischen Länder, zu größerer Armut und Verzweiflung der
Mehrheitssektoren unserer Länder, zur Entnationalisierung der Wirtschaften der
Region und zur absoluten Unterordnung unter die Diktate aus dem Ausland. Wir stellen klar, dass die Integration für die Länder
Lateinamerikas und der Karibik eine unumgängliche Bedingung im Trachten nach
Entwicklung inmitten der wachsenden Bildung großer regionaler Blöcke, die
herrschende Positionen in der Weltwirtschaft einnehmen, darstellt, aber nur eine
Integration, basierend auf Zusammenarbeit, Solidarität und gemeinsamem Willen
eines Fortschreitens aller zu höheren Entwicklungsniveaus kann die
Notwendigkeiten und Sehnsüchte der lateinamerikanischen und karibischen Länder
befriedigen und gleichzeitig ihre Unabhängigkeit, Souveranität und Identität
bewahren. Wir sind uns darüber einig, dass die Bolivarianische
Alternative für Amerika (ALBA), vorgeschlagen vom Präsidenten Hugo Chávez Frías
anlässlich des III. Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs des
Vereinigung der Staaten der Karibik, abgehalten auf der Insel Margarita im
Dezember 2001, zeichnet die Leitprinzipien einer wahrhaften, auf Gerechtigkeit
basierenden, lateinamerikanischen und karibischen Integration, auf, und wir
verpflichten uns, gemeinsam zu kämpfen, um sie Realität werden zu lassen. Wir bestätigen, dass das wesentliche Prinzip, das die ALBA
leiten muss, die breiteste Solidarität zwischen den Völkern von Lateinamerika
und der Karibik ist, gestützt auf das Denken von Bolívar, Martí, Sucre,
O‘Higgins, San Martín, Hidalgo, Petion, Morazán, Sandino und so viele andere
Vorkämpfer, ohne egoistischen Nationalismus und nationale Einschränkungspolitik,
die das Ziel verneinen, ein Großes Vaterland in Lateinamerika zu errichten, wie
es die Helden unserer Befreiungskämpfe träumten. In diesem Sinn stimmen wir vollständig darin überein, dass die
ALBA weder mit Vermarktungskriterien noch mit egoistischen Interessen der
Gewinnerzielung einzelner Firmen oder einzelner Nationen zum Nachteil anderer
Völker durchgesetzt wird. Nur ein breiter lateinamerikanischen Blick, der die
Unmöglichkeit erkennt, dass unsere Länder sich einzeln entwickeln und wahrhaft
unabhängig sein können, wird fähig sein, das zu erreichen, was Bolívar wie folgt
ausdrückte: „...sehen, wie sich in Amerika die größte Nation der Welt bildet,
weniger wegen ihrer Ausmaße und ihres Reichtums, sondern wegen ihrer Freiheit
und ihres Ruhms", und das Martí „Unser Amerika" nannte, um es zu unterscheiden
vom anderen Amerika, dem des Expansions- und Herrschaftsdrangs. Wir drücken gleichfalls aus, dass die ALBA die Umwandlung der
lateinamerikanischen Gesellschaften zum Ziel hat, um zu mehr Gerechtigkeit, mehr
Kultur, Teilnahme und Solidarität zu bringen. Sie ist deshalb als ein integraler
Prozess konzipiert, der die Beseitigung der sozialen Ungleichheit sichert, die
Lebensqualität erhöht und die wirksame Beteiligung der Völker an der Gestaltung
ihres eigenen Schicksals gewährleistet. Wir teilen das Kriterium, dass sich die ALBA, um die
angegebenen Ziele zu erreiche, von den folgenden Prinzipien und Hauptgrundlagen
leiten lassen muss: In dem Jahr, in dem wir den 180. Jahrestag des ruhmreichen
Siegs von Ayacucho und der Einberufung des Kongresses von Panamá begehen, der
versucht hat, den Weg zu einem wahren Integrationsprozess unserer Länder zu
bahnen, frustriert seit damals, bringen wir unsere Überzeugung zum Ausdruck,
dass sich die lateinamerikanischen und karibischen Völker jetzt, endlich, mit
der Festigung der Bolivarianischen Revolution und dem unweigerlichen Scheitern
der unseren Völkern auferlegten neoliberalen Politik, auf dem Weg zur zweiten
und wahrhaften Unabhängigkeit befinden. Das Entstehen der Bolivarianischen
Alternative für Amerika, vorgeschlagen vom Präsidenten Hugo Chávez Frías, ist
der beste Ausdruck dafür. Havanna, den 14. Dezember 2004 Fidel Castro Ruz
Hugo Chávez Frías Präsident des Staatsrates der
Präsident der Bolivarianischen Republik Kuba
Republik Venezuela