Auswanderer berichten aus Argentinien


Ein nicht alltägliches Buch, ein Buch von Menschen für Menschen. Ein Buch von Auswanderern für Auswanderer oder für solche, die nur in Gedanken auswandern, aus einer Zeit, als Auswandern noch etwas anderes bedeutete als heute. Häufig gab es damals gar keine Alternative zum Auswandern, die politischen und/oder wirtschaftlichen Bedingungen zwangen die Menschen einfach zu diesem Schritt.
Heute ist es anders, heute sieht man die Sache entspannter, heute wird man mit Informationen versorgt, häufig mit so vielen, daß man ganz verwirrt davon werden kann.
Und heute sollte man ein schon bisschen Lust am Abenteuer, am nicht Alltäglichen mitbringen, um auszuwandern. Klar, ein wenig Mut zum Risiko, ein Stück Freude an der Ungewissheit, ein Quantum Spaß an der noch unbekannten eigenen Zukunft sind schon notwendig. Trotzdem schadet es aber nichts, ein wenig nachzudenken, zu planen, zu vergleichen, abzuschätzen und zu organisieren. Ins Blaue hinein will keiner auswandern, heute, im Jahre 2007. Damals aber war das ganz anders...
Gehen wir also zurück in vergangene Dekaden, lassen wir uns hineinziehen in die Ströme und Bewegungen politisch wirrer Zeiten, in denen das Schicksal des Einzelnen häufig auch gleichzeitig das Schicksal ganzer Familie war, tauchen wir hinein in die Alltagsprobleme und erleben wir die Schicksalsschläge mit, denen so mancher dieser tapferen Leute ausgesetzt war. Bringen wir also Verständnis auf für die Generation unserer Väter und Großväter, bevor wir sie vorschnell aburteilen als "Vaterlandsflüchtlinge". Ihnen wurde nichts geschenkt, sie haben sich alles erarbeitet und sie haben in ihren Berufen auch dem großartigen Land Argentinien einen Dienst erwiesen.
Argentinien war ihre Hoffnung und aus dem Samen der Hoffnung wuchs in der argentinischen Erde eine starke Pflanze.
Für viele war dieses weite grüne Land zwischen Patagonien und dem Chaco im vergangenen Jahrhundert trotz all der durchlittenen Widrigkeiten eine sichere Zuflucht vor den Fängen willkürlicher Justiz, despotischen Machtgehabes und irrationalen Weltmachtstrebens in Europa. Das einstige "Land des Silbers" war Gold wert für sie, die Flüchtlinge und auch für die späteren Auswanderer, die aus einem geistig eng gewordenen Europa heraustreten wollten in eine neue, wenn auch ungewohnt fremde Freiheit.


Weites grünes Land




In diesem Buch wurden Berichte deutscher Auswanderer zusammengetragen, die im 20. Jahrhundert in Argentinien einen neuen Anfang suchten. Um ein breiteres Verständnis zu erzeugen, gibt zunächst ein historischer Überblick einen Eindruck von der frühen Zeit der Einwanderung im 16.Jahrhundert, wo ein gewisser Utz Schmidel, Landsknecht und Geschichtsschreiber aus Süddeutschland, 1536 an der Gründung der Stadt Buenos Aires teilnahm.
Der vorhandene weite Siedlungsraum und das bevölkerungspolitisch tolerante Klima zogen im Laufe der folgenden Jahrhunderte immer neue Wellen von Einwanderern ins Land. Im 20.Jahrhundert schließlich waren es vor allem die beiden schrecklichen Weltkriege, die ebenso notleidende wie hoffnungsfrohe Menschen nach Argentinien brachten. Beispielhaft steht das Schicksal von Timoteo Henckels da, der als Sohn des berühmten deutschen Volksschauspielers und Regisseurs Paul Henckels ("Die Feuerzangenbowle", u.a.) wegen seines jüdischen Blutanteils Deutschland 1936 verlassen musste und in Argentinien eine ungewöhnliche Karriere als Viehzüchter und Verwalter der "Estancia y Cabaña Orion" hinlegte. Er wurde zum Mitbegründer der heutigen Touristenmetropole Villa Gesell an der Atlantikküste. Aber auch all die anderen Berichte deutscher Landsleute reißen uns mit in den Strom des Lebens, den "Rio de la Vida" unter der heißen Sonne Südamerikas.

Herr Dr.Meding von der Universität Köln war so freundlich, diesem Buch ein Geleitwort aus der Sicht des Historikers voranzustellen.

       "Weites grünes Land", 166 S., Conrad Stein Verlag, Welver, ISBN Nr. 3-86686-193-1  Preis: 8,90 Euro

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