Argentinien
1. Statistische und geografische Fakten
Einwohnerzahl: ca. 36 Millionen
Fläche: 2.77 Mill. km²
Hauptstadt: Buenos Aires (ca. 10 Mill. Einwohner)
Staatsform: Bundesstaat (mit Provinzen) und Republik seit 1853
unabhängig von Spanien seit 1816 (durch General José de San Martin)
Bodenschätze: Erdöl, Erdgas, Kohle, Edelmetalle
Wirtschaftsgüter: Rindfleisch, Wein, Wolle
Geografie:
- Atlantikküste von ca. 4000 km Länge zwischen Rio de la Plata und Tierra del Fuego (Feuerland)
- Auf der Westseite als netürliche Barriere zu Chile die Anden mit dreißig(!) 6000er Bergen
- Im Zentrum des Landes die Pampa (Grassteppe); nördlich die feuchte, weiter südlich die trockene Pampa
- Buenos Aires
beherbergt etwa 1/3 der gesamten Landesbevölkerung, die sich aus
Spaniern, Italienern, Franzosen, Deutschen, Russen, u.a. sowie dem
indigenen Blutanteil der Urbevölkerung gebildet hat.
- Westlich am
Andenabhang liegt die Weinstadt Mendoza mit ihrem trockenheißen Klima,
bedingt durch den Regenschatten des hohen Gebirges. Hier wie auch in
der Pampa findet man Haciendas und Estancias im alten Kolonialstil. In
der "Punta Atacama" befinden sich weite Kakteenwälder und trockene
Salzseen (salinas).
- In der Niederung
des Rio Parana steht Regenwald der feuchtheißen Zone. Im Dreiländereck
Argentinien-Paraguay-Brasilien befinden sich die gewaltigen
Iguacù-Wasserfälle.
- Im Osten reihen
sich an der Atlantikküste mit ihren herrlichen Sandstränden viele
Seebäder aneinander (Villa Gesell, Mar del Plata, Miramar, Necochea,
Bahia Blanca, u.a.).
- Weiter südlich
schließt sich das fast menschenleere Patagonien an, in dem ganz
überwiegend nur Schafzucht wirtschaftlich ertragreich ist. Das extreme
Klima (Trockenheit und ständiger Wind) lässt nur karge Vegetation
wachsen und bedingt die riesigen Ausmaße der Estancias. Unten in
Feuerland finden wir kalbende Gletscher wie den berühmten "Perito
Moreno" sowie eine subantarktische Tierwelt mit Seeelefanten, Seelöwen
und Pinguinen. Bruce Chatwin hat in seinem Buch "In Patagonien" die
kauzigen und in keine Gesellschaft passenden Einzelgängertypen von
Einwanderern aus Europa beeindruckend beschrieben.
2. Was ist für Touristen sehenswert?
Sehenswürdigkeiten bietet
Argentinien außer seiner gigantischen Hauptstadt Buenos Aires bei seiner Größe eine Unmenge. Schon allein die
verschiedenen Landschaften sind Reiseziele an sich: Die unermesslichen
Pampas (eigentlich "Wiesen"), feuchte und grüne findet man im Norden
sowie trockene, gelbe, spärlich bewachsene weiter im Süden des Landes.
Der trocken-heiße Buschwald des Chaco ganz im Norden, die
heiß-trockenen Weinbaugebiete am Rand der Anden bei Mendoza, die Anden
selbst, die feuchten grünen Waldgebiete in den Flussgebieten des Parana
und Paraguay in der Provinz Corrientes (eigentlich "Strömungen").
Besondere Erwähnung sollen die Denkmäler des UNESCO-Weltkulturerbes finden, nämlich
- Los Glaciares (die Gletscher)
- die Cueva de Los Manos / Rio Pinturas
- der Jesuit Block / Estancia of Cordoba
- die Quebrada de Humahuaca
- die Halbinsel Valdez / Bucht von Puerto Pirámides
- der Nationalpark Iguacú
- Ischigualasto / Talampaya
Los Glaciares
Dieser Gletscherpark ("Parque Nacional Los Glaciares") liegt in der
Nähe der touristisch geprägten, aufstrebenden Stadt El Calafate. Mit
einer Ausdehnung von 6000 km² umfasst er 14 kalbende Hauptgletscher
Patagoniens, die sich dort in türkisfarbene Seen ergießen.
Die Szenerie wird eingerahmt von gewaltigen Bergmassiven, die von dem berühmten Fitzroy-Massiv beherrscht wird.
Cueva de los Manos
Diese "Höhle der Hände" finden wir in Patagonien, 160 km südlich des
Ortes Perito Moreno, in der Schlucht des Rio Pinturas. Es sind
Darstellungen aus der Steinzeit, ca. 9000 bis 13000 Jahre alt, die
unter Felsüberhängen und in den Höhlen abgebildete menschliche Hände
und Jagdszenen zeigen. Unter anderem wurden von den frühen Jägern und
Sammlern dieser Gegend auch Guanacos dargestellt.
Der Jesuitenblock
Im Zentrum der früheren Jesuitenprovinz von Paraguay in Córdoba
gelegen, bildet der Jesuitenblock das Herzstück der Gebäude des
einstigen jesuitischen Systems: die Kirche, die Universität, das
College und die Wohngebäude der Jesuitengesellschaft. Dazu gehören auch
noch eine Reihe von Estancias für die Versorgung mit Lebensmitteln.
Alles in allem eine Mischung von Häusern für religiöse und für
weltliche Bestimmungen. Dieses beeindruckende jesuitische
Kulturexperiment hatte im 17ten und 18ten Jahrhundert für etwa 150
Jahre Bestand.
Quebrada de Humahuaca
Ganz im Norden Argentiniens liegt ein geologisch-mineralogisches Juwel, das Bergmassiv "Quebrada de Humahuaca"
( = Schlucht von H.). Auf der Strecke zwischen den Städten Salta und La
Quiaca (Grenze zu Bolivien) passiert man sie bei San Salvador de Jujuy
beginnend bis zum Ort Humahuaca, der ihr den Namen gab. Rot, orange,
gelb und grün geben dieser Sierra ihr Gepräge.
Die Halbinsel Valdez
Das ganze Gebiet bei der Halbinsel stellt eines der weltweit
wertvollsten Biotope dar, da hier eine Reihe von Meeresgroßsäugern ihre
Aufzuchtgebiete haben.
Zusammen mit der sich anschließenden Küstenlinie nördlich von
Puerto Madryn umschließt die Peninsula Valdez den Golfo Nuevo, den
"neuen Golf". Mit 3600 km² ist sie die größte Halbinsel Argentiniens.
Die schmalste Stelle bildet mit nur 35 km Breite die Landenge "Istmo
Argentino".
An der Punta Norte ( = Nordspitze) besteht besonders in der Zeit von
Oktober bis November die Möglichkeit, See-Elefanten bei ihrem Treiben
zuzusehen.
An der Punta Loma gibt es eine Kolonie von mehreren hundert Seelöwen zu besichtigen.
Die Punta Piramide nahe bei der Ansiedlung Puerto Piramide, beherbergt
eine Großkolonie (mehr als 1000) von Seelöwen. Hier findet man aber
auch die Brutgebiete vieler bekannter Seevogelarten.
An der Punta Delgada ( = schmale Spitze) leben sowohl See-Elefanten als auch Seehunde.
An der Punta Tombo, weiter südlich gelegen, befindet sich die größte
Magellanpinguin-Kolonie der Welt. Dezember und Januar ist die beste
Zeit, diesen einmaligen Lebensraum zu besuchen, ab März ist er jeweils
gesperrt.
Der Nationalpark Iguacú
In der Nordostecke Argentiniens, an der Grenze zu Brasilien gelegen,
dehnt sich diese größte Kaskadengruppe Südamerikas in einem Halbkreis
mit einem Durchmsser von 2700 Metern aus. Diese Stelle liegt 24 km
hinter dem Zusammenfluss des Rio Paraná mit dem Rio Iguacú. Das Wasser
aus 275 einzelnen Fällen stürzt hier eine Basaltschwelle des
Paraná-Plateuas 73 Meter in eine enge Schlucht hinab und versorgt durch
den ständigen Gischt die gesamte nahe und weitere Umgebung mit
"Dauerregen", der zu einem enormen Wachstum subtropischer Gewächse und
einer daraus resultierenden vielfältigen Tierwelt führt. In der
Regenzeit schwellen die Wassermassen oberhalb der Fälle auf eine Breite
von 4 km an, in der Trockenzeit schrumpfen sie auf zwei Zuflüsse von je
730 Metern. Beeindruckend sind die ständig vorhandenen Regenbögen.
Ischigualasto
Im Nordwesten Argentiniens, nordöstlich in der Provinz San Juan
gelegen, heißt dieses Gebiet wegen seiner absoluten Trockenheit auch
Valle de la Luna (Tal des Mondes). Der nächste größere Ort heißt San
Agustin de Valle Fertil. Gemeinsam mit dem benachbart liegenden
Nationalpark Talampaya wurde es im Jahre 2000 in das Weltkulturerbe der
UNESCO aufgenommen. Wir begegnen hier einer Fülle ungewöhnlicher, durch
Wind- und frühere Wassererosion geschaffener Gesteinsformationen, die
oft an Objekte unserer modernen Zivilisation und Umwelt erinnern
(Pilze, Kugeln, Bocciabahn, U-Boot,...) Weiterhin ist dieser
Nationalpark auch archäologisch interessant. Überreste von
verschiedenen Saurierskeletten und anderen Echsenarten sowie ein
versteinerter Wald setzen uns hier in Erstaunen. Umgestürzte,
versteinerte Baumstämme zeigen so glatte Schnittflächen, dass sich der
Gedanke an frühzeitlichen Werkzeuggebrauch aufdrängt, nur dass diese
Objekte überhaupt nicht in die Periode des Frühmenschen passen, sondern
viel, viel älter sind.